Grossbarsche
Eins vorweg – wer behauptet, er angle gezielt auf „Großbarsch“ – das
sind aus meiner Sicht Fische von über 40cm - ist in meinen Augen ein
Aufschneider! Gezieltes Angeln auf Kapitale Barsche ist in meinen Augen
fast unmöglich. Man hat aber durchaus die Chance, die Anzahl der
kleinen Exemplare zu verringern und die Anzahl der Dicken zu
vergrößern. So war das Jahr 2003 mein mit Abstand bestes
Großbarschjahr. Alleine in meinem Hausgewässer, der Mosel, konnte ich 6
Fische über 40cm fangen, die beiden größten hatten satte 47cm und
45.5cm. Zusätzlich hatte ich auch noch ca. 10 Fische zwischen 35 und
39cm – und die sind ja auch nicht zu verachten! Und dazu soll gesagt
werden, dass die Mosel nicht mit den Rügener Bodden, dem Rursee oder
schwedischen Schären zu vergleichen ist, wo 40er Barsche regelmäßig an
den Haken gehen. Die wenigsten Angler fangen in der Mosel überhaupt mal
einen 40cm Barsch! Wie gelang mir nun so ein gutes Barschjahr?
Natürlich mit einer guten Portion Glück, aber auch mit einer speziellen
Taktik....

Faszination
Barsche zählen zu meinen absoluten Lieblingsräubern. Mit ihren Streifen
und tollen roten Flossen sehen sie erstens wunderschön aus, zweitens
haben sie ein Verhalten, dass mich immer wieder aufs Neue fasziniert.
Sie haben dieses Eigenart der Stachelritter bestimmt auch schon sehen
können – hat man einen Barsch am Kunstköder gehakt, folgen ihm oft eine
ganze Reihe Artgenossen bis kurz vor´s Ufer. Futterneid! Dann lassen
sich die Raubritter sehr leicht fangen. Sie stürzen sich dann auf fast
alles, was sich nur ein wenig bewegt. Dieses Verhalten findet man
allerdings zumeist nur bei kleineren Exemplaren vor. Kleine bis
mittlere Barsche leben nämlich als Schwarmfische im Rudel. So kann man,
wenn man es geschickt anstellt, gleich mehrere Fische hintereinander
fangen. Bei großen Exemplaren sieht die Sache ganz anders aus…
Verhalten
Kapitale Stachelritter verhalten sich zumeist ganz anders als ihre
kleineren Artgenossen. Sie leben zumeist als Einzelgänger, treten
höchstens mal im Doppelpack oder Trio auf und stürzen sich lange nicht
so gierig auf unsere Kunstköder, wie es die kleinen Kerle tun. Ist ja
auch logisch - wenn man bedenkt, dass ein 40cm langes Exemplar schon
fast ca. 20 Jahre auf dem Buckel hat und aus diesem Grunde
wahrscheinlich auch schon vielfältige negative Erfahrungen mit diversen
Kunstködern und Angelhaken machen musste, ist diese Vorsicht auch
verständlich. Wie heißt es so schön: Im Alter kommt die Weisheit!
Standorte
Großbarsche halten sich grundsätzlich an den gleichen Plätzen auf, wie
ihre kleinen Brüder. Allerdings meistens gerne etwas Abseits vom Pulk.
Aus der Distanz können Sie das Geschehen besser überschauen und genau
entscheiden, wann sie zuschlagen. Sie lassen sich also lange nicht so
leicht aus der Reserve locken. Toplätze sind in jedem Fall solche
Stellen, wo sich viele Kleinfische rumtreiben. Das können die Bereiche
von Bachmündungen sein, Bereiche vor bzw. hinter Brücken und ganz
besonders Stellen, an denen häufig Wasservögel gefüttert werden. Durch
das Vogelfutter werden sehr viele Kleinfische an den Platz gelockt –
und das lockt wieder die Großbarsche, die einen reich gedeckten
Futtertisch vorfinden.
Auch sehr gute Plätze findet man hinter bzw. unter Bootsanlegestegen.
Hier finden die Stachelritter Unterstand und können aus der Deckung
heraus zuschlagen.
Strategie
Um Großbarsche selektiv zu befischen gehe ich nun folgendermaßen vor:
Ich fische zuerst mit kleineren Spinnködern bis ich einige halbstarke
Exemplare fange. Dadurch weiß ich, dass ich an einem Platz fische, an
dem sich offensichtlich mehrere Barsche aufhalten. Wo kleine sind,
befindet sich nicht selten auch der ein oder andere Dicke. Nun wechsle
ich auf Köder, die eine Nummer größer sind als die, die ich
normalerweise zum Barschfang verwende. Also 3er bzw. 4er Spinner statt
1er und 2er Modelle, 9cm und 13cm Gummifische statt 5cm oder 7cm Teile,
7cm und 10cm Wobbler statt 3er und 5er Varianten. Dem Großbarsch müssen
Köder angeboten werden, die auch in sein Beuteschema passen. Zwar
schnappen sich Kapitale auch gerne mal ein ganz kleines Fischchen,
klar, aber mit zu kleinen Ködern besteht immer das Risiko, dass sich
die kleinen Brüder den Spinnköder schnappen, bevor der große Zielfisch
zupacken kann. Das soll verhindert werden. Mit den größeren Ködern
harke ich den Platz nun intensiv eine Weile lang ab. Wenn sich nach
einer gewissen Zeit nichts tut wechsle ich den Platz. Entweder es ist
kein Großbarsch da, oder er hat gerade keinen Appetit. Auf jeden Fall
sollte die Stelle ein anderes Mal wieder befischt werden. Es kann in
jedem Fall dort einer hausen!
Ruten
Beim Barschangeln fische ich sehr gerne Ruten, die etwas Länger sind,
zwischen 3.00m und 3.30m. Mit solchen Ruten kann ich Köder schöner
parallel zum Ufer führen. Die Rute zum Großbarschangeln sollte darüber
hinaus nicht zu hart ausfallen. Mit einem Wurfgewicht von bis ca. 30
Gramm ist die Stange optimal dimensioniert. Fischt man nämlich eine zu
harte Rute, kann es gerne passieren, dass der Barsch an der
geflochtenen Schnur ausschlitzt. Die gehört bei mir auch beim
Barschangeln zur Standardausrüstung. Mit einer guten geflochtenen kann
ich selbst zaghafte Bisse viel besser erkennen als mit einer Monofilen.
Auf eine gut wickelnde Stationärrolle mittlerer Größe gespult, hat man
so das perfekte Werkzeug zum Großbarschangeln.
Was Wirbel und Einhänger angeht sollten diese nicht zu groß gewählt werden, da sonst das Köderspiel behindert werden kann.
Landung
Gelandet wird ein gehakter Großbarsch am besten mit der Hand und zwar
mit dem „Boga-Grip“. Dabei wird dem Barsch, genau wie beim Wallergriff,
mit dem Daumen an den Unterkiefer gepackt und der Barsch dann so aus
dem Wasser gehoben. Dabei ruhig fest zupacken! Gerade im ersten Moment
nach dem Zugreifen fängt der Barsch gern an sich zu schütteln. Wenn der
Haken dann nicht schön sitzt, ist er weg! Alternative zur Handlandung
ist das Landen mit dem Boga-Grip. Superteil….
Extra-Tipp
Viele Angler fischen gerne zu weit vom Ufer entfernt. Selbst absolut
kapitale Exemplare stehen gerne oft nur wenige Meter vom Ufer entfernt.
Schließlich halten sich dort ja auch ihre „Opfer“ auf. Gerade in den
Morgen- und Abendstunden bringen flachlaufende Wobbler und Spinner
dicht am Ufer ungeahnte Erfolge! Tipp: Mit einer etwas längeren
Spinnrute parallel zum Ufer führen.
An dieser Stelle besten Dank an Jan Gutjahr, der uns diesen Bericht in
freundschaftlicher Verbundenheit zur Verfügung gestellt hat. Weitere
Informationen zu Jan Gutjahr erhalten Sie auf seiner Homepage http://www.fanatic-fishing.de – unbedingt einen Besuch wert!
Angelköder und Angelruten von Jan Gutjahr finden Sie HIER