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ANGELN IN UNBEKANNTEN GEWÄSSER

 


Neuland erobern

Strategien zur Annäherung an ein fremdes Gewässer
Immer wieder machen Gewässer durch dicke Raubfischfänge auf sich aufmerksam und die Angler scharf. Der Urlauber möchte auch im Ausland die Rute schwingen, während sich andere in der Sonne aalen. Wenn die Petrijünger sich dann entschließen loszufahren, haben alle das gleiche Problem: sie müssen Neuland erschließen. Eine anstrengende Angelegenheit! Wenn man jedoch systematisch an die Sache herangeht, ist auch die größte Wasserfläche relativ schnell erschlossen.

Hier verraten wir Ihnen, wie man sich zielsicher an neue Gewässer herantastet:



Gut recherchiert ist halb gefangen
Sie können davon ausgehen, dass sich der Fischbestand eines Gewässers auf nur 10 Prozent der Wassermasse verteilt. Die anderen 90 Prozent sind fischleer. Je größer ein Gewässer also ist, umso schwieriger wird es, die Schuppenträger durch aktives Suchen zu finden. Da müssen schon andere Methoden her, um den Fisch zu stellen. Im Folgenden möchte ich Ihnen nun erklären, wie sie Ihre spätere Beute einkreisen. Das Ganze geht schon bei Ihnen zu Hause los und endet dann am Ort des Geschehens. Eine gründliche Recherche ist die halbe Miete. Schon im Vorfeld lassen sich potentielle Hotspots ausmachen und tote Stellen brandmarken. Informationsquellen sind die Gerätehändler, Angelmagazine, Bekannte und Kollegen aus dem Angelverein, Gewässerkarten sowie das Internet.



Beim Händler gibt’s die ersten Infos
Wenn Sie Ihr Reiseziel bestimmt haben, gehen Sie am besten als erstes einmal zum Händler Ihres Vertrauens. Da ich selber einen eigenen Laden führe, kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung sagen: Täglich reden wir mit unseren Kunden und bekommen so eine ganze Menge mit. Außerdem liegen bei uns sämtliche Angelmagazine aus, die wir schon aus Eigeninteresse lesen. Und so kann man getrost behaupten, dass bei uns die Informationsflüsse zusammenlaufen. Da sollte es mit dem Teufel zugehen, wenn wir Ihnen nicht den einen oder anderen Tipp geben könnten, der Ihnen weiterhilft. Und wenn wir Ihnen nur sagen können, dass in der Fisch & Fang vom Monat XY aus dem Jahr Z ein Bericht genau über Ihr Urlaubsziel drin war!



Angelzeitschriften helfen weiter
Da sind wir auch schon bei den Angelmagazinen. Auch hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass schon einmal jemand über Ihr Zielrevier berichtet hat. Selbst wenn der Artikel schon einige Jahre alt ist, finden Sie oft Gewässerkarten, Beschreibungen der fängigsten Strukturen und evtl. noch ein paar Ködertipps. Wer seine Hefte von Anfang an archiviert, ist da natürlich im Vorteil. Aber auch wer nicht über eine große Sammlung verfügt, hat vielleicht einen Bekannten, den er schon für verrückt erklärt hat, weil er auf dem Dachboden eine umfassende Bibliothek lagert. Jetzt ist es Zeit, sich zu entschuldigen und ihn zu bitten, das Archiv einmal durchstöbern zu dürfen.



Angler ist vernetzt
Aber das ist nicht das einzige, was die lieben Angelkollegen für Sie tun können. Denn auf die eine oder andere Weise hat sich jeder Angler ein kleines Informationsnetzwerk aufgebaut. Willi kennt einen Kumpel der in Stuttgart sitzen, der wieder einen am Konstanz und schon hat man einen Ansprechpartner für die Angelei am Bodensee gefunden. Mit etwas Glück ist dieser Mann dann auch noch bereit, Sie etwas ins Gewässer einzuführen und Sie sind alle „Sorgen“ los. Noch einfacher geht das natürlich, wenn Sie in einem Angelverein organisiert sind. Hier sind gleich eine ganze Menge Menschen versammelt, die Ihr Hobby teilen. Jeder von Ihnen hat das Potential zum Informanten. Nützen Sie diese Möglichkeit also auf jeden Fall aus und hauen Sie die Mannen an, wenn Sie nach einer Sitzung beieinander sitzen.



Gewässerkarten unbedingt studieren
Eine Gewässerkarte verrät Ihnen auch eine ganze Menge. Also organisieren Sie sich so schnell wie möglich eine möglichst detaillierte und studieren Sie diese intensiv. Schnell sind ein paar Löcher oder Erhebungen, sogenannte Barschberge, gefunden, die stets dafür sprechen, dass hier Fisch ist. Manchen Karten können Sie sogar die Untergrundbeschaffenheit entnehmen. Je nach Zielfisch markieren Sie sich z.B. die steinigen oder sandigen Bereiche. Wenn Sie zum Beispiel auf Zander aus sind und eine markante Stelle mit steinigem Grund gefunden haben, die auch noch ein wenig abfällt, haben Sie einen absoluten Hotspot identifiziert, den Sie sich fett markieren und unbedingt befischen sollten. Sie sehen schon, wenn Sie über die Lebensgewohnheiten der Fische Bescheid wissen, die Sie fangen wollen, bringt Sie eine Gewässeransicht unheimlich nach vorn!


Das Internet birgt Infos ohne Ende
Als letzte Informationsquelle, die Sie im Vorfeld Ihrer Reise unbedingt nutzen sollten, möchte ich Ihnen das Internet ans Herz legen. Mit der Suchmaschine Google (www.google.de) finden Sie fast alles, was Sie wissen möchten. Durch geschickte Kombination der Suchbegriffe kommen Sie oft an Informationen heran, von deren Präzision Sie nicht zu träumen gewagt hätten. Geben Sie zum Beispiel das Ziel und den Begriff „angeln und raubfisch“ ein. Schon listet Ihnen die Suchmaschine eine ganze Latte an Homepages auf, die voller Infos stecken. Aber auch wenn Sie den Ort und das Wort „tauchen“ eingeben erhalten Sie wertvolle Hinweise, z.B. über das Fischvorkommen oder die Sichtigkeit des Wassers. Natürlich lohnt sich auch ein Ausflug in die großen Foren, wo immer viel über Reviere und Urlaubserfahrungen geschrieben wird. Zum Beispiel wäre da unsere eigene Seite www.angeln-shop.de zu nennen. Hier alle Foren aufzuzählen ist rein platztechnisch leider nicht möglich. Mit einer kleinen Materialsammlung auf die man dann spontan zurückgreifen kann, ist man immer in der Lage, die notwendigen Informationen abzurufen.



Der letzte Schliff vor Ort
Nachdem Sie sich also wirklich gründlich von zu Hause aus vorbereitet haben, kann’s losgehen. Inzwischen wissen Sie schon bedeutend mehr als noch vor ein paar Wochen und können sich schon vorstellen, wo Sie Fischkontakte herstellen. Doch wenn Sie erst mal am Ziel angelangt sind, lohnt sich ein wenig zusätzliche Anstrengung manchmal ganz gewaltig. Und jetzt wird alles auch schon etwas persönlicher. Sprechen Sie als erstes am besten mit dem Händler, der Ihnen die Angelkarte ausstellt. Bei ihm kaufen die Angler vor Ort ihre Köder ein und erzählen ihm meist auch von Ihren Fängen. Deshalb ist er immer auf dem neusten Stand. Und weil er möchte, dass Sie ihn wieder beehren, wird er Ihnen auch den einen oder anderen Tipp stecken. Das gilt auch für den Bootsverleiher. Denn auch er ist daran interessiert, dass Sie ein paar schöne und fischreiche Tage verbringen, so dass Sie irgendwann einmal wiederkommen und Ihr Boot wieder bei ihm ausleihen. Nebenbei bemerkt: natürlich sind beide nicht nur aus wirtschaftlichen Interessen an Ihrem anglerischen Erfolg interessiert. Normalerweise freut sich ja jeder Mensch, wenn er jemand anderem weiterhelfen kann. Von einigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Denn schwieriger gestaltet sich die Informationsbeschaffung bei den Fischern und den einheimischen Anglern. Hier dominieren manchmal Neid und Missgunst. Die einen möchten nicht, dass man ihnen die Existenz wegangelt (was ein einzelner Angler natürlich niemals schaffen kann, aber über eine ganze Saison gesehen, räumen die Kochtopfangler auch eine ganze Menge Fische ab). Die anderen haben sich Ihren Erfolg durch jahrelanges Auskundschaften hart erarbeitet und da ist es schon verständlich, wenn sie Ihnen nicht gleich ihre Topstellen auf die Nase binden wollen. Müssen sie ja auch nicht. Es genügt ja schon, die Boote mal aufs Korn zu nehmen und die stark befischten Stellen auch einmal anzusteuern. Wenn Sie nicht mit den Kollegen in Konflikt geraten wollen, können Sie sich die von ihnen befischten Spots ja einfach merken und dann „ganz zufällig“ mal hinfahren, wenn noch niemand am Platz ist.



Technische Hilfsmittel für Angler
Und dann gibt es noch drei kleine Helfer, die sie als Trumpfass im Ärmel immer ausspielen können und auch sollten: Echolot, GPS und Thermometer. Mit dem Echolot fahren Sie am besten noch einmal an alle Hotspots, die Sie bislang als solche ausgemacht haben, um festzustellen, ob sich dort zur Zeit auch Fisch aufhält bzw. ob die vorab gesammelten Angaben auch der Realität entsprechen. Dabei achten Sie auch besonders auf die Graulinie, die Ihnen Informationen über die Bodenbeschaffenheit liefert (je schärfer die Graulinie, desto härter der Boden), die Fischsymbole oder besser Sicheln, die Ihnen etwas über das Fischaufkommen verraten und natürlich auf besonders markante Strukturen wie Kuhlen oder Erhebungen.

Mit dem GPS speichert man solche Punkte und kann dann sicher sein, dass man sie am nächsten Tag auch wiederfindet. Das spart eine Menge Zeit und Nerven!

Ein weiterer wichtiger Faktor zum Aufspüren des Fisches ist die Wassertemperatur. Schon kleine Temperaturunterschiede entscheiden manchmal darüber wo die Fische stehen. Im Frühjahr sind zum Beispiel Buchten mit schlammigen und dunklem Grund meist um ein bis zwei Grad wärmer als die restliche Umgebung. Hier finden sich dann die Futterfische ein und mit ihnen die Hechte. Im Sommer hingegen ziehen sich die Fische oft in kühlere Gefilde zurück, da hier mehr Sauerstoff im Wasser ist. Also messen Sie an den einzelnen Stellen die Temperatur (und zwar dort unten, wo Sie angeln wollen, nicht nur an der Oberfläche). Das wird zusätzlich zu Ihrem Angelerfolg beitragen.

Das klingt jetzt alles nach einem relativ großen Aufwand. Wenn man aber rechtzeitig damit anfängt, die Daten zu sammeln, sich mit Karten, Echoloten und GPS auskennt, ist es weniger mühsam als orientierungslos auf dem Teich herumzufahren und die Fische auf gut Glück zu suchen. Und der Fangerfolg wird Sie für Ihren Einsatz auf jeden Fall entlohnen. Da bin ich mir sicher. Denn wenn Sie meine Ratschläge befolgen haben Sie den Fisch ganz systematisch eingekreist. Es gibt für ihn „fast“ kein Entrinnen mehr.

In diesem Sinne: Petri heil!




Bildmaterial:
Besten Dank an Lucky Craft USA und die Cebbra GmbH – Germany, die uns das Bildmaterial freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

 
 

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